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Redaktion/PM, 11.03.2010

Lehrerinnen und Schulerfolg von Jungen: kein negativer Zusammenhang

Zu viele weibliche Lehrkräfte – das sei die Ursache für das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Jungen in der Schule, so eine momentan gängige These. Zwei Studien der Universität Mannheim und des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) widerlegen dies.

"Krise der Jungen" im Schulsystem

Mädchen stehen Jungen heute in nichts mehr nach. In der Schule haben sie die Nase sogar vorn. Und in fast allen EU-Ländern beginnen mehr Mädchen als Jungen ein Hochschulstudium. Auch in Deutschland sind Mädchen und Frauen heute das starke Geschlecht im Bildungssystem. 2007 verließen 29,4 Prozent aller Mädchen die allgemeinbildende Schule mit dem Abitur, bei den Jungen waren es nur 20,6 Prozent. Bei der Suche nach Erklärungen wird vor allem der hohe Frauenanteil im Lehrerberuf genannt – dadurch fehle es Jungen für ihren schulischen Erfolg an männlichen Vorbildern. Eine Meinung die auch in der Politik vertreten wird und zur Einrichtung eines Referats für "Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer" im Bundesfamilienministerium führte.


Studien bestätigen Vorurteil nicht

Es scheint naheliegend, dass ein Zusammenhang zwischen dem Anteil weiblicher Lehrkräfte und den Noten oder Übergangsempfehlungen für Jungen besteht. Jedoch kommen bisherige Studien zu dem Ergebnis, dass sich das Geschlecht der Lehrkraft weder auf die Kompetenzen noch auf die Noten auswirkt. Und zwar weder bei Jungen noch bei Mädchen. In Deutschland erscheinen in Kürze zwei Studien, die sich mit den vermeintlich negativen Folgen der Feminisierung an Grundschulen auseinandersetzen. Die Forscher Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) sowie Andreas Landmann und Martin Neugebauer von der Universität Mannheim stellen darin fest, dass weder Mädchen noch Jungen bei ihren Kompetenzen oder Noten von einem Lehrer des jeweils gleichen Geschlechts entscheidend profitieren. Die Leseleistung von Jungen und Mädchen leidet sogar, wenn sie vier Jahre lang von einem Mann in Deutsch unterrichtet wurden.

Gleichberechtigung in Schulen weitestgehend gelungen

Zwar sind in den Studien nicht alle einflussnehmenden Faktoren beleuchtet worden. So wurde beispielsweise die psychologische Dimension für das Rollenverhalten der Jungen nicht einbezogen. Die Forscher betonen aber, dass die Diskussion über die vermeintlich negativen Auswirkungen von Lehrerinnen für die Bildungschancen von Jungen die eigentliche Botschaft verstellt: Mädchen müssen durch die zunehmende Gleichberechtigung von Frauen heute weniger Hürden überwinden und können deshalb, anders als früher, ihr Potenzial voll entfalten.

 
 
 
 

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